Birgit Herzberg-Jochum – Indien by Taxi

Die Künst­le­rin Bir­git Herz­berg-Jo­chum prä­sen­tier­te in die­ser Aus­stel­lung Ar­bei­ten, die ih­re Re­fle­xio­nen über ei­ne In­di­en­rei­se im April 2011 the­ma­ti­sier­ten.
Ih­re Ein­drü­cke von ei­ner ihr un­be­kann­ten und in ih­rer Ge­sell­schafts­struk­tur fremd­ar­tig hie­rar­chisch er­schei­nen­den Kul­tur ver­such­te sie zu­nächst in Mo­ment­auf­nah­men fo­to­gra­fisch zu do­ku­men­tie­ren. Aus di­gi­ta­len Er­in­ne­rungs­hil­fen, Com­pu­ter­farb­aus­dru­cken, kon­zi­pier­te sie in ih­rem Stutt­gar­ter Ate­lier in­di­vi­du­el­le Zu­sam­men­schnit­te. Mit die­sem Aus­gangs­ma­te­ri­al ge­lang es ihr in den letz­ten Mo­na­ten ih­re Er­leb­nis­se und Er­fah­run­gen des vier­wö­chi­gen Auf­ent­halts in ver­schie­de­nen Städ­ten Süd­in­di­ens in ei­ner be­ein­dru­cken­den Bil­der­se­rie kri­tisch re­flek­tiert und künst­le­risch-tech­nisch span­nend zu ge­stal­ten.

Oft ent­ste­hen ih­re Wer­ke auf trans­pa­ren­ten Stof­fen, die beid­sei­tig in ma­le­risch auf­wän­di­gen Pro­zes­sen mit Col­la­ge-, Sprüh- und Stick­tech­ni­ken be­ar­bei­tet wer­den. Als di­plo­mier­te Tex­til­de­sig­ne­rin, die sich im Grun­de ih­res Her­zens schon im­mer der Ma­le­rei ver­schrie­ben hat­te, setzt sie spie­le­risch ih­re um­fang­rei­chen Ma­te­ri­al­kennt­nis­se ein. Dass sie für die Se­rie IN­DI­EN by Ta­xi 2011 auch Sa­rees, die tra­di­tio­nel­len Be­klei­dungs­stof­fe der in­di­schen Frau­en, als Bild­trä­ger ver­wen­det, ist im wei­te­ren Be­trach­ten ih­rer nar­ra­ti­ven Bild­spra­che von gro­ßer Be­deu­tung. Die ver­ein­fach­ten Dar­stel­lun­gen von Natur und Men­schen in ih­rer all­täg­li­chen Si­tu­a­ti­on ver­schmel­zen zu ei­nem ru­he­vol­len Ge­samt­bild.
Es ist ih­re In­ten­ti­on, den je­wei­li­gen Be­trach­ter mit auf die In­di­en­rei­se ins Bild zu neh­men. Gleich­wohl schickt sie uns auf ei­ne in­di­vi­du­el­le Ent­de­ckungs­rei­se, auf ei­ne Spur kri­ti­schen Wahr­neh­mens aber auch des Be­mü­hens, sich über den üb­li­chen High­light-Touris­mus hi­naus, ein­fühl­sam mit den Wi­der­sprü­chen ei­ner Kul­tur zwi­schen Tra­di­ti­on und Fort­schritt aus­ei­nan­der­zu­set­zen.

Vor­wort zum Ka­ta­log von Dr. Mo­ni­ka Ru­dolph